Gefunden im Verlust

Nur wer sich verliert kann sich wieder finden. Jemand der sich selbst nie verloren hat, hat sich auch nie gefunden. Lieber verliere ich mich täglich aufs neue und hoffe darauf mich irgendwann mal wieder zu finden, als mich nie zu verlieren.

Wenn ich mein Leben bis jetzt und das sind gerade mal 24 Jahre betrachte könnte ich denk ich nicht an einer Hand aufzählen wie oft ich mich bereits verloren habe. Verschiedenste Ursachen, ein Mädchen in das ich mich verliebte und blind vor Liebe meine eigenen Schritte nicht mehr sehen konnte, ein Arbeitgeber der meine Ideale mit Füßen tritt und mich für die Duldung nicht einmal ordentlich entschädigt. Eine verflossene Liebe zu der eine Bindung bestand die kaum durch trennbar schien. Eine virtuelle, fiktive Welt die für mich ansprechender schien als die Reale die mir ja sowieso nicht davon lief.

Und doch ist das danach, das sich selbst wieder finden, sich selbst wieder erkennen, seine eigenen Schwächen und Stärken, Vorlieben und Abneigungen wieder zu finden jedes mal aufregend. Man entdeckt neue Eigenschaften an sich, die vielleicht davor noch nicht da waren. Das Bewusstsein, dass es wieder eine Geschichte mehr zu erzählen gibt, wieder eine Erfahrung, eine Sucht, eine Liebe, eine Angst um die man erfahrener ist.

Aber man sollte sich nicht finden, denn wer sich selbst gefunden hat, der kann wieder anfangen andere zu suchen oder andere zu finden. Und wer sich damit beschäftigt, kann (sich) nur verlieren.

Romantische Zweierbeziehungen

Seit ein paar Wochen, Monaten oder vielleicht sogar schon Jahren befasse ich mich mit dieser Thematik, manchmal aktiv, manchmal passiv, manchmal bewusst manchmal unbewusst. Zu Erkenntnis hat es bisher nicht geführt, zu viele Möglichkeiten gibt es, die sich sowohl rational als auch emotional argumentieren lassen. Erschreckend finde ich bloß immer wieder, dass Befürworter_innen der Monogamie und der damit in Zusammenhang stehenden Beziehungs-Form kaum Argumente vorzubringen haben, da sich die meisten wohl nie wirklich bewusst mit der Thematik auseinander setzten.

Der Eine

“Wenn es der Richtige ist, dann will Frau keinen anderen mehr. – Wenn es die richtige ist, dann will Mann keine andere mehr.” Ein Argument dem man wohl kaum etwas entgegen stellen kann, außer, dass es dieser Aussage zufolge mindestens einen komplementär-Menschen geben müsste, der meine Fehler kompensiert und dessen Fehler durch meine Stärken kompensiert werden können. Klingt doch, wenn man jetzt mal einen Schritt zurück tritt furchtbar naiv, oder? Wenn dem so wäre, bräuchte ich nie mehr einen anderen Menschen als diese_n eine_n Partner_in, da mich diese_r perfekte_r Partner_in in jeder Hinsicht befriedigen würde. Ja, das ist jetzt wohl etwas überspitzt ausgedrückt. Aber weicht doch nicht weit von der Aussage ab die manche Verfechter der Zweierbeziehung vertreten. Und auch ich selbst weiß nicht ob ich mich nicht zu diesen Verfechtern zählen sollte. Hab ich doch bereits einen Versuch einer belebten Zweierbeziehung gestartet und starb innerlich an der zerstörerischen Eifersucht.

Ich will dich besitzen.

So sagt es wohl kaum ein_e verliebte_r seiner/ihrer Partner_in. Aber ich denke doch mal, dass dieses Symptom ganz klar für die Monogamie ist. Zum Beweis unserer Treue schenken wir uns selbst unserem Partner, schenken unser Herz, schenken uns. Geben einen Teil von uns, einen Teil von unserer Freiheit auf, um dem Gegenüber das Gefühl geliebt zu werden zu vermitteln, um dem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, dass wir ihn brauchen, nicht ohne ihm können.

Wäre es nicht besser für uns und unseren Partner, wenn wir verzichten würden all unsere Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse in ihn zu projizieren, in ihm zu suchen? Im Internet wird immer mehr auf verschiedene Server aufgeteilt, immer mehr Rechenleistung wird von den Heimcomputern der Enduser genommen. Das Prinzip des “sharings” scheint mehr als erfolgreich zu sein. Warum wenden wir es nicht auch bei unseren Partnerschaften an bzw. was ist so schwer daran dieses Prinzip auch auf Partnerschaften um zu münzen? Ist die Beziehungs-Form die momentan als gesellschaftlicher Konsens erachtet wird wirklich so effektiv, so effizient, so vorteilhaft? Warum bin selbst ich, der sich doch, vermeintlich, kritisch damit auseinander setzt, nicht in der Lage eine belebte Zweierbeziehung zu führen, geschweige denn auf eine Zweierbeziehung im Allgemeinen zu verzichten und mich auf mehrere PartnerInnen gleichen “Rangs” einzulassen?

Denken!

Die schlimmste Frage die sich mir ergibt ist und bleibt jedoch, warum setzt sich kaum jemand bewusst mit der Thematik auseinander? Selbst Freunde/Bekannte von mir, von denen ich eine hohe Meinung habe sehen die Romantische Zweierbeziehung mit all Ihren Vor- und Nachteilen als Fakt den man nicht verändern kann. Erschreckend!

Manche haben geistige Kapazitäten, verweigern aber diese zu nutzen, bevorzugen es, sich täglich zwischen 8 und 17 Uhr durch Arbeit abzulenken und dann noch bis 22 oder 23 Uhr wach sein, zumindest vermeintlich wach sein, denn  das Verhalten gleicht oft eher einem Wachkoma. Nahrungsaufnahme, Fernseher ein, Soaps, Reality Shows, Kurznachrichten – bitte nicht zu tief gehend, das könnte mich aus meinem Koma reißen, noch mehr Soaps, Reality Shows, Serien, Filme und ab ins Bettchen auf einen neuen Tag. Dieses Muster wird nur 2x in der Woche gebrochen, da wird dann dafür gesorgt, dass das Wachkoma aufrecht bleibt, man betrinkt sich, dröhnt sich mit lauter Musik zu und abhängig vom Beziehungsstand, versucht man aufzureißen oder nicht.

Antwort:

Die Antwort ist ganz klar. Jeder sollte sich zumindest nach der 1. gescheiterten Beziehung mal ein paar Tage nicht nur mit der Trennungstrauer sondern auch mit sich selbst und seinen Weltbild zwischen Mann und Frau bzw. Partner und Partnerin auseinandersetzen. Da ich dies nicht tun kann kann ich da leider nur auf Google verweisen.

Da gendern den Lesefluss stört, habe ich phasenweise darauf verzichtet.

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